Virtuelles Wasser

Anderswo und trotzdem hier

Kaum zu glauben. Fast alle unsere Produkte - Handys,T-Shirts oder Autos - verbrauchen bereits bei ihrer Herstellung sehr viel Wasser. Wir sehen es zwar nicht, aber ohne dieses "virtuelle Wasser" könnten wir keine Nachrichten von unserem Smartphone schicken oder mit dem Auto fahren. Ob für die Rohstoffgewinnung für Handys in Peru, beim Anbau von Äpfeln am Bodensee oder dem Färben von Jeans in der Türkei: Überall auf der Welt wird Wasser bei der Herstellung von Produkten verbraucht, die zu unserem täglichen Leben gehören. Da dieses Wasser in den Produkten nur noch teilweise oder gar nicht mehr enthalten oder sichtbar ist, wird es auch "virtuelles Wasser" genannt. Dazu zählt nicht nur, wenn Pflanzen gewässert werden oder Kühe trinken, sondern auch das Wasser, das bei den unterschiedlichen Produktionsschritten verschmutzt wird. Jedes Produkt erhält so seinen eigenen Wasserfußabdruck. Bei einer Jeans zum Beispiel wird zwar das meiste Wasser, 85 %, bei der Herstellung der Baumwolle verbraucht aber zusätzlich wird beim Färben der Stoffe Wasser verschmutzt, das danach nicht mehr als Trinkwasser genutzt werden kann. Die Jeans, die wir dann im Laden kaufen, hat bereits, bevor wir sie das erste Mal waschen, ungefähr 11.000 Liter Wasser benötigt.

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Die Nachfrage nach neuen Rohstoffen und Produkten und damit auch der Verbrauch von Wasser sind ungebrochen hoch. So etwa zerstören in Peru illegale Goldsucher weite Teile des Amazonasgebiets und berauben damit Menschen und Tiere dort ihrer Lebensgrundlage. Um an das Gold im Boden zu gelangen, holzen oder brennen sie den Regenwald ab, überfluten das Land und benutzen giftiges Quecksilber, um aus dem Schlamm das Gold herauszulösen. Dabei verschmutzen sie das Trinkwasser stark und vergiften die Fische. Ohne Fische haben die dort lebenden Menschen aber oft keine Nahrungsgrundlage mehr. Und sehen dann vielleicht den einzigen Ausweg darin, selber illegalen Goldabbau zu betreiben.

Virtuelles Wasser TeaserRegenwald nach illegalem Goldabbau

Aber was habe ich damit zu tun, wenn illegale Goldsucher die Umwelt zerstören? In jedem Handy stecken sehr viele Kleinteile. Viele sind aus Metallen wie Kupfer und Gold. Also trägt jedes Handy, das nicht gekauft wird, oder jedes alte Handy, das weiterverkauft oder recycelt wird, ein bisschen dazu bei, dass weniger Gold gebraucht wird und dass es weniger illegale Goldsucher gibt. Die meisten Goldsucher betreiben den illegalen Goldabbau nur, weil sie Geld brauchen und weil sie keine Alternative sehen, um für sich und ihre Familien zu sorgen.

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Jeder Mensch hat einen Wasserfußabdruck

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In Deutschland verbraucht jeder Menschen im Durchschnitt circa 3900 Liter Wasser täglich. Im weltweiten Durchschnitt verbrauchen die Menschen 3800 Liter Wasser am Tag. Besonders in Ländern wie China und Indien oder in Zentral- und Südafrika verbrauchen die Menschen vergleichsweise wenig Wasser, in Nordamerika, Nordafrika und Südeuropa allerdings haben die Menschen einen recht hohen Wasserverbrauch. Das alles sind natürlich nur Durchschnittswerte. Denn jeder Mensch hat auch einen individuellen Wasserfußabdruck, abhängig von seinem persönlichen Konsumverhalten und wie er sich ernährt. Was denkst du: Wie viel Wasser verbrauchst du am Tag beim Duschen und Kochen? Und wie viel Wasser verbrauchst du indirekt mit deinem Handy, deinem Essen und anderen Dingen? Mach den Test und ermittle deinen persönlichen Wasserfußabdruck:
waterfootprint.org (Wähle unter Resources den Menüpunkt Personal water footprint calculator aus)

Was kann ich tun, um Wasser einzusparen?

  • Kaufe nachhaltig, zum Beispiel regionale und saisonale Lebensmittel! Braucht man im Winter wirklich Erdbeeren aus Marokko? In weit gereistem Obst und Gemüse steckt viel Wasser, das dann besonders in wasserarmen Regionen als Trinkwasser fehlt.
  • Lege ab und zu einen Veggieday ein, denn die Produktion von Fleisch braucht besonders viel Wasser.
  • Plastik vermüllt unsere Flüsse, Seen und Weltmeere und enthält gesundheitsschädliche Weichmacher. Zusätzlich wird bei der Herstellung und der Entsorgung von Plastik reichlich virtuelles Wasser verbraucht. Deshalb: Meide Verpackungen, wann immer es geht! Es ist zum Beispiel unnötig, dass Bananen und Gurken in einer Plastikhülle verpackt sind.
  • Trinke Leitungswasser statt Wasser aus Flaschen! Das Wasser, das in Deutschland aus der Leitung kommt, hat fast überall hervorragende Qualität – so spart man Geld, muss keine Wasserkisten schleppen und schont die Umwelt durch weniger Transport, Verpackungsmüll und Plastikflaschen.
  • Nachrüsten oder reparieren statt neu kaufen. Die meisten Elektrogeräte sind nicht darauf ausgelegt, repariert zu werden. Die Reparatur ist oft teurer als ein Neukauf. Deswegen achte am besten schon beim Kauf darauf, dass ein Gerät möglichst recyclingfähig, nachrüstbar und zu reparieren ist. Dadurch sparst du viel virtuelles Wasser ein.
  • Recycle und mach Upcycling, denn aus alten Klamotten oder anderen Abfallprodukten kann man neue und kreative Sachen entwerfen: Mach mit, nähe und bastle, was das Zeug hält, verwerte alles, was du hast und vermeintlich nicht mehr brauchst. Auf upcycling-diy.de findest du unseren Upcycling-Blog mit ganz vielen Ideen.