Gerechtigkeit in Schulen

Bildungsgerechtigkeit

Herr Lehrer, das ist aber unfair!

Adelina ist 14 Jahre alt und stammt aus dem Kosovo. Am liebsten würde sie Hairstylistin werden. Ihr Lieblingsfriseursalon hat ihr schon eine Ausbildung in Aussicht gestellt. Dafür muss sie aber erst einmal ihren Hauptschulabschluss schaffen. Das ist gar nicht so einfach. Adelinas Leistungen sind in letzter Zeit nämlich ganz schön abgesackt.

Die Neuntklässlerin weiß nicht, wie lange sie noch in Deutschland bleiben kann. Vielleicht müssen Adelina und ihre Familie irgendwann wieder in den Kosovo zurückkehren. Das beschäftigt sie in letzter Zeit sehr und beeinträchtigt auch ihre schulischen Leistungen.

"Ich bin echt stolz darauf, dass man mir nach meinem Praktikum eine Ausbildungsstelle angeboten hat. Ich strenge mich so an, um meinen Hauptschulabschluss zu bekommen. Aber alleine kann ich es nicht schaffen. Ich bräuchte dringend Nachhilfe. Das können wir uns aber nicht leisten. Wenn meine Noten nicht besser werden, muss ich vielleicht sogar auf die Förderschule. Das ist doch einfach ungerecht!"

Wirklich? Kann man in Adelinas Fall tatsächlich von Ungerechtigkeit sprechen? Schließlich wird doch jede(r) Schüler(in) entsprechend seiner/ihrer Leistungen bewertet, oder?

Grafik über Gleichberechtigung und GerechtigkeitIst Gleichberechtigung immer gerecht?youngcaritas Deutschland

 

Jedem das seine?

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Auch in den Schulen macht sich das bemerkbar. So ist eine der vielen Aufgaben der Institution Schule die Selektionsfunktion: Die Vergabe von Noten ermöglicht es Schüler(inne)n, Ausbildungs- und Arbeitsplätze zu bekommen oder eben nicht. Die Leistungen sollen dabei zeigen, ob sich jemand für eine bestimmte Stelle eignet. Was aber, wenn Schüler(innen) eigentlich zu besseren Leistungen fähig wären, diese aber aus verschiedenen Gründen nicht ausbauen können wie in Adelinas Fall? Müsste ein gerechtes Bildungssystem nicht allen Schüler(inne)n von Anfang an dieselben Startbedingungen bieten?

Arm an Chancen

Beleidigte, trotzige junge FrauWieso gehen Kinder von Spitzenmanager(inne)n sechsmal so häufig auf das Gymnasium wie Kinder von Facharbeiter(inne)n? - Quelle: PISA-Studie, 2000youngcaritas Deutschland

Dass Schüler(innen) schlechtere Leistungen erbringen, als sie eigentlich könnten, kann unterschiedliche Ursachen haben. Ein Grund kann die soziale Herkunft sein. Schüler(innen) aus Familien mit niedrigem Einkommen können sich häufig keinen Nachhilfeunterricht oder auch Nachmittagsbetreuung leisten. Wenn die Eltern ihnen darüber hinaus nicht helfen können, weil sie selbst kaum über Schulbildung oder auch Sprachkenntnisse verfügen oder schlichtweg arbeiten müssen, kann das die Chancen der Schüler(innen) auf einen guten Schulabschluss zusätzlich verschlechtern. Auch das Lesen von Büchern und Zeitschriften oder der Besuch von kulturellen Angeboten beziehungsweise Freizeitaktivitäten wie Theater, Planetarium, Museum, Schwimmbad etc. können den Bildungshorizont und die eigenen Fähigkeiten erweitern. Für Familien mit wenig Geld ist das aber nur eigeschränkt möglich.

Natürlich machen nicht alle Schüler(innen), deren Eltern ein geringes Einkommen oder keinen eigenen Schulabschluss haben, schlechtere oder keine Abschlüsse. Laut der PISA-Studie von 2016 besuchte beispielsweise im Jahr 2013 ein Viertel der Schüler(innen) mit mindestens einem Elternteil ohne Schulabschluss ("bildungsferne Haushalte") das Gymnasium.