Aktionsheft

Wohnen

Ein Leben ohne Privatsphäre

Wo und wie Flüchtlingsfamilien wohnen regelt das Asylverfahrensgesetz, das Asylbewerberleistungsgesetz beziehungsweise die Flüchtlingsaufnahmegesetze der Bundesländer. Zunächst werden Asylsuchende in sogenannten Erstaufnahmeeinrichtungen untergebracht, anschließend leben sie meist in Gemeinschaftsunterkünften. Zudem werden vielerorts Notunterkünfte, etwa in Sporthallen oder Hotels, eingerichtet. Gerade für Kinder und Jugendliche ist dieser Mangel an Privatsphäre in den großen Unterkünften mit vielen Menschen und wenig Platz für sich, äußerst problematisch. Sie werden erheblich in ihrem Sozialleben eingeschränkt und in ihrer Entwicklung gehemmt.

Erstaufnahme in zentralen Unterkünften

Wer als Flüchtling in Deutschland ankommt, wird erst einmal in einer zentralen Erstaufnahmeeinrichtung untergebracht. Meist sind dies große Gebäude mit vielen Schlafplätzen in großen Räumen, die eingezäunt sind. Das Essen gibt es in einer Kantine und für medizinische Notfälle ist ein Arzt da. Asylsuchende, die in Deutschland bleiben wollen, stellen bei der Asylbehörde einen formellen Asylantrag. Asylbehörde ist das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), das in jeder größeren Erstaufnahmeeinrichtung ein Büro hat. Die Flüchtlinge werden von der Asylbehörde zu ihren Fluchtgründen und zum Ablauf ihrer Flucht befragt und bekommen dann fürs Erste eine Aufenthaltsgestattung.

Leben in Gemeinschaftsunterkünften

Die Gemeinschaftsunterkünfte, in denen Flüchtlinge und Asylsuchende in Deutschland leben, liegen oft in Randbezirken von Städten oder auch in Industriegebieten. Häufig sind die Unterkünfte ehemalige Kasernen oder zum Beispiel alte Hotelanlagen, weil das besonders günstig ist.

Wohncontainer eines FlüchtlingswohnheimsIn solchen Wohncontainern werden Flüchtlinge in Deutschland oft untergebracht.Moritz Bross, youngcaritas Deutschland

In den Gemeinschaftsunterkünften gibt es meistens Sozialarbeiter(innen). Eine Person kann dabei für bis zu 150 Menschen Ansprechpartner(in) sein. Die Sozialarbeiter(innen) sind dafür zuständig, dass wichtige Informationen oder praktische Hilfen vermittelt werden. Aktivitäten, wie Hobbys in der Freizeit nachzugehen, Ausflüge zu machen, Feste zu feiern oder Deutschunterricht zu bekommen, sind nicht immer vorgesehen. Kinder in Gemeinschaftsunterkünften haben aufgrund dieser Umstände meist kaum Kontakt zu Deutschen.

Weil die Wohnverhältnisse so beengt sind, gibt es oft Streit - innerhalb der Familie oder auch zwischen Familien unterschiedlicher kultureller Herkunft. Bedingt durch die beengte Lebenssituation haben Kinder und Jugendliche oft Konzentrations- und Lernschwierigkeiten. Anerkannte Flüchtlinge, die dauerhaft in Deutschland leben dürfen, können ganz normal in eine eigene Wohnung ziehen. Bis das Asylverfahren abgeschlossen ist und die Flüchtlinge als "anerkannt" gelten, dauert es aber oft mehrere Jahre. Verschiedene Bundesländer, wie zum Beispiel Baden-Württemberg, überlegen zurzeit, ob sie Asylsuchenden erlauben sollen, in eigene Wohnungen zu ziehen. Das würde die überfüllten Gemeinschaftsunterkünfte entlasten und den Flüchtlingen mehr Lebensqualität bieten. Außerdem wäre es für die Flüchtlinge viel einfacher, sich so in ihrem neuen Lebensumfeld in Deutschland zu integrieren.

Aktionsidee

Wir glauben: jeder kann was! Und jeder kann was vom anderen lernen. Geht auf Gleichaltrige in einem Flüchtlingswohnheim zu. Sammelt gemeinsam eure Fähigkeiten und Kenntnisse und dann bringt euch gegenseitig neue Sachen bei. mehr

Aktionsidee

Veranstaltet einen Gesangswettbewerb mit Kindern und Jugendlichen in der Gemeinschaftsunterkunft oder in eurer Schule. Alternativ eignet sich auch ein Tischtennis-Turnier oder ein Dance-Contest... mehr

Für die Schule

Mehr über die Wohnsituation von Flüchtlingen in Deutschland erfahren und die youngcaritas Forderungen besser verstehen. mehr