Brillenaktion

Durchblick? Fehlanzeige!

verschiedene Personen mit Brillen in einer Collage

"Den Durchblick behalten" - das ist nicht so einfach, wenn man kaum etwas erkennen kann. Wer arm ist und dazu noch Brillenträger, hat es doppelt schwer: Seitdem die Kassen nur noch bei Erwachsenen mit starker Sehbehinderung die Kosten für die Brillengläser übernehmen, ist gutes Sehen für bedürftige Brillenträger zu einem finanziellen Kraftakt geworden.

Denn billig sind Sehhilfen nicht: ca. 180 Euro kostet eine Brille mindestens - eine Summe, die Menschen, die von Hartz IV leben, eine Mini-Rente bekommen oder aus ihrer Heimat geflohen sind, nicht aufbringen können. "Für die betroffenen Menschen können daraus erhebliche Probleme im Alltag resultieren", kritisiert Matthias Krieg von den Vinzenz-Konferenzen. Lesen wird zur Herausforderung, der Straßenverkehr zur Gefahr und die Bewerbung für einen Job fast unmöglich - den Alltag zu bewältigen ist schwer, ohne richtig sehen zu können.

Die Vinzenz-Konferenzen im Erzbistum Paderborn machen seit einigen Jahren mit der Aktion "Den Durchblick behalten" auf diese soziale Härte aufmerksam; in Einzelfällen gewähren die caritativ engagierten Ehrenamtlichen Betroffenen sogar Zuschüsse aus Spendenmitteln. Der Caritas-Fachverband bekommt dabei Unterstützung durch die youngcaritas im Erzbistum Paderborn. Die Jugendlichen haben sich u.a. kreative sozialpolitische Aktionen auf die Fahnen geschrieben. "Wir empfinden die aktuelle Situation von bedürftigen Menschen mit einer Sehschwäche als Ungerechtigkeit", sagt Linda Kaiser von youngcaritas. Wer selbst eine Idee für eine Aktion hat, kann sich bei Vinzenz-Konferenzen und youngcaritas melden oder auf www.dendurchblickbehalten.de schauen: Hier bekommen Interessierte Unterstützung und nützliche Tipps.

gezeichnete BrilleAktion "Den Durchblick behalten"youngcaritas

Bis zu den Bundestagswahlen 2017 wollen Vinzenz-Konferenzen und youngcaritas gemeinsam auch gegenüber der Politik auf die Problematik der Brillenfinanzierung durch Bedürftige aufmerksam machen. "Gutes Sehen gehört zur Teilhabe dazu. Wir wollen, dass alle am Leben teilhaben können. Der Kauf einer Sehhilfe darf deshalb nicht davon abhängig sein, ob ich Geld habe oder nicht", heißt es in einem gemeinsamen Flyer.

Daher haben Vinzenz-Konferenzen und youngcaritas im Erzbistum Paderborn eine Online-Petition an den Deutschen Bundestag gestartet:  Darin werden konkrete politische Regelungen zur Unterstützung einkommensschwacher Menschen mit Brille gefordert, hauptsächlich dass die Kostenübernahme für Sehhilfen in die Sozialversicherung aufgenommen wird. So könnte auch Brillenträgern die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht werden - selbst wenn sie nicht so viel Geld haben.